Nüchternheit und die „große Gereiztheit", Teil 1
Nüchternheit und die „große Gereiztheit", Teil 1 Ich hatte schon angedeutet, dass vor allem die Erfahrungen der Corona-Zeit mir den Begriff der „Nüchternheit“ nahebrachten: das, was ich am meisten vermisste. Es deckte sich allerdings mit dem, was ich kurz vorher schon gelesen hatte: Bernhard Pörksen, Die große Gereiztheit. Wege aus der kollektiven Erregung, 2018. Bernhard Pörksen: Gereiztheit Mit „Großer Gereiztheit" meint der Soziologie Pörksen jene Atmosphäre permanenter Aufgeregtheit, ständiger Empörung und chronischer Erregung, die das öffentliche Leben – und zunehmend auch das private – durchdringt. Wir leben in einer Epoche, in der jede Nachricht zur Krise stilisiert wird, jede Meinungsverschiedenheit zum Skandal hochgepimpt und jede Abweichung von der vermeintlichen Norm zum Aufreger stilisiert wird. Es herrscht ein ungeheurer medialer Lärm, der wie jeder Lärm, der sich nicht einfach abstellen lässt, die Nerven schädigt. Die digitalen Medien, insbesondere...