Nüchternheit und die große Gereiztheit 3: Nüchternheit als Antitoxin
Nüchternheit und die große Gereiztheit 3: Nüchternheit als Antitoxin. Nach diesem a nalytischen Gang, der sich auf Pörksens Diagnose stützte, versuche ich nun zu beschreiben, was „Nüchternheit" als Gegengift, als Kur, als Anti-Training bedeutet: nicht einfache Verweigerung, ni cht Abstinenz, sondern eine aktive Haltung, eine Lebensperspektive. „Tugend“ Deswegen nehme ich den klassischen Tugendbegriff auf, dessen Abgründe ich freilich kenne. Man kann auch in äußerster Nüchternheit den Gashahn aufdrehen oder die Gattin erschlagen – als Produkt eines rationalen Kalküls, das verschiedene Emotionen ausbalanciert hat. Die Diskussion über die „Sekundärtugenden“ in meiner Jugend hat das deutlich herausgearbeitet. Zum Begriff der Tugend, der einübbaren Haltung, gehör en zwingend der Begriff des Gu ten als Handlungsziel und der Gesellschaft als Bezugsgröße. Tugenden sind keine leere n Haltu...