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Nüchternheit und die „große Gereiztheit", Teil 1

  Nüchternheit und die „große Gereiztheit", Teil 1 Ich hatte schon angedeutet, dass vor allem die Erfahrungen der Corona-Zeit mir den Begriff der „Nüchternheit“ nahebrachten: das, was ich am meisten vermisste. Es deckte sich allerdings mit dem, was ich kurz vorher schon gelesen hatte: Bernhard Pörksen, Die große Gereiztheit. Wege aus der kollektiven Erregung, 2018. Bernhard Pörksen: Gereiztheit Mit „Großer Gereiztheit" meint der Soziologie Pörksen jene Atmosphäre permanenter Aufgeregtheit, ständiger Empörung und chronischer Erregung, die das öffentliche Leben – und zunehmend auch das private – durchdringt. Wir leben in einer Epoche, in der jede Nachricht zur Krise stilisiert wird, jede Meinungsverschiedenheit zum Skandal hochgepimpt   und jede Abweichung von der vermeintlichen Norm zum Aufreger stilisiert wird. Es herrscht ein ungeheurer medialer Lärm, der wie jeder Lärm, der sich nicht einfach abstellen lässt, die Nerven schädigt. Die digitalen Medien, insbesondere...

Disposition, Themen und Perspektiven

Perspektiven Bei der Arbeit am Thema "Nüchternheit" verstand ich, dass eine Tugend (ich werde später erklären, was ich damit genau meine) immer auch eine Perspektive ist. Es ist eine Weise der Handlungsvorprägung, die aus einer bestimmten Sicht auf die Welt entspringt, die sie zugleich aber im Handeln auch wieder verändert.  Habe ich z.B. wirklich verstanden, dass ich der Fremde des Fremden bin, auch wenn ich in meinem Eigenen bin, das das Fremde des Fremden ist - dann wird daraus auch eine bestimmte Art des Handelns folgen. Ich werde z.B. die Verlorenheit eines Fremden in der Fremde, die  mein Eigenes ist, wahrnehmen. Das wieder wird meine Perspektive auf mich verändern: Bin ich in meinem Eigenen eigentlich so heimisch, wie ich immer dachte? Und so finde ich das Befremdliche im Eigenen, und das nun wieder kann eine Brücke zum "Fremden" sein - und so weiter.  Wer je Videos, Reels oder TicTocs gesehen hat, in denen Menschen berichten, wie sie Deutschland erleben, wir...

Einladung

Warum? Dieser Blog ist Ausdruck einer Art Verzweiflung: Nicht erst die Coronakrise, die aber dann mit Macht, sondern die gesamte Entwicklung des öffentlichen Diskurses zeigt eine für mich erschütterndes Fehlen, möglicherweise sogar einen Verlust an Nüchternheit - einer der ihrer Herkunft nach urprotestantischen Tugenden, die, mit Verkniffenheit und Freudlosigkeit verwechselt, wie viele Tugenden in Misskredit geriet.  Es machen sich Geschrei, Populismus, Gefühlsduselei, Zynismus und eine Art „egoistischer Relativismus“ („das muss jeder für sich selbst entscheiden“) breit , die eine Diskussions- und  Entscheidungskultur erzeugen, bei der mir jedenfalls Angst und Bange wird.  Das Erscheinen von Donald Trump als amerikanischem Präsidenten hat dem nur noch die Krone aufgesetzt. Spätestens jetzt wird es Zeit, danach zu fragen, ob wir nicht alle den Verstand verloren haben. Aber nicht als endloser Rant, sondern als nüchterne, auf längere Zeit angelegte Untersuchung und Überlegun...