Illusionäre Lebenskonzepte 1: Die Ernüchterung über die Banalität des Daseins
Illusionäre Lebenskonzepte und die Ernüchterung über die Banalität des Daseins Man muss sich nur eine x-beliebige neunte Klasse vorstellen, irgendwo in Deutschland, am Tag der Berufsorientierung. Der Lehrer fragt in die Runde: Was willst du werden? Es kommen: Fußballprofi, Influencerin, Content Creator, vielleicht Ärztin. Sagt dann einer: Bäcker, wie mein Vater, wird kurz gelacht. Nicht böse, nur überrascht – so, wie man über eine Ambition von vorgestern lacht. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit, mit einer Bäckerlehre tatsächlich als Bäcker zu arbeiten, um ein Vielfaches höher als die, mit selbstgedrehten Videos als Creator zu leben. Gelacht wird trotzdem über den Falschen. Man könnte einwenden: Was ist daran neu? Gesellschaften haben ihren Mitgliedern immer große Versprechen gemacht. Die Einigungsbewegungen des 19. Jahrhunderts versprachen nationale Größe – und lieferten sie, jedenfalls machtpolitisch. Die Technik- und Medizingeschichte versprach die Beherrsc...